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... Totensonntag - verspätet, 22. November Ich habe es erst heute abend aus der Zeitung erfahren. The legal alien is dead. Gestorben am Sonntag im von ihm verhassten England. Wieso sterben alle Leute im November? Hat das mal jemand erforscht? Gut, dass die Todesrate um Weihnachten und zum Jahreswechsel anschwillt, ist ja allgemein bekannt und sowohl statistisch wie auch psychologisch leicht nachzuweisen. Aber November mit all dem Totengedenken, den Friedhofsbesuchen, der Herbstdepression ... haben manche da einfach keine Lust mehr weiterzuleben, reicht die Kraft nicht mehr aus, an das noch so ferne Ende des Winters und der Dunkelheit zu glauben? Kann mir das mal bitte jemand erklären? I'm an alien, I'm a legal alien ... Fremd, anders, seltsam eben. Irgendwie konnte ich mir nie vorstellen, dass auch er mal sterben müsste. Er war so nicht von dieser Welt, so wundervoll eigen, seine eigene Schöpfung. Unvergessen die bläulich-lila Haare, der Lidschatten, die zarte Statur. Unnachahmlich die Gestik, die Mimik. Unvergleichlich die Stimme und die Intonation. Ein Bote aus einer anderen Zeit, manche würden vielleicht sagen ein Fossil, ein Relikt. Bei ihm konnte ich träumen, wie es wäre Oscar Wilde zu treffen. Bei ihm lebten die großen Filmstars der Stummfilmzeit wieder auf. Die Göttlichen, Garbo und Marlene. Er selbst eine von ihnen, eine Diva. Sting hat ein Lied für ihn geschrieben, eine Hommage: An Englishman in New York. Manchmal hat man ihn wirklich dort getroffen, im East Village, seiner Heimat. Er war eine Institution. Man erzählte sich, wo man ihn zuletzt gesehen hatte. Dass es stimmt, dass er sich gerne zum Essen einladen lässt und man dafür seinen wundervollen Geschichten zuhören darf. Gegen seine Queen Elizabeth verblasste sogar die wundervolle Tilda Swinton. Quentin Crisp war eine Schlampe. Nicht nur, weil er sich damit brüstete, seine Wohnung nie aufzuräumen. Er liebte die Schlampen und die Schlampen liebten ihn. Penny Arcade, beispielsweise. Quentin Crisp war eine Schlampe, weil ihm Gender, Geschlechterrollen und so ein Mist scheissegal waren. Er war der lebende Beweis, dass die Unterscheidung Mann / Frau einfach zu dumm und zu oberflächlich ist. Und zu fantasielos. Zu langweilig. Quentin Crisp war eine von uns. Eine Schlampe. A Bitch. A Slut. A Pussy. A Whore. Trash eben. Konsequent sein letzter Wille: "No flowers. No candles. No long faces standing around in the rain, staring down into a hole in the ground while someone drones on about how wonderful I was. - I'd rather be shuffled off. Just drop me into one of those black plastic bags and leave me by the trash can." Rest in peace, Quentin! Wir denken an Dich, wenn wir den Müll raus bringen. |
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... Loneliness |
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