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... Tingeltangel, 15. Dezember Dachte, das hat nichts mit der Türkenstrasse zu tun, gehört jetzt nicht hierher. Tingeltangel, Tollwood, Varieté, das Unbehagen in der Kultur unter neuem Namen. Obwohl die Sache selbst, Massenamüsement mit erhebendem Anspruch, nichts neues. Die Tische stehen bereit. In den Abfertigungshallen der Kunst sprudeln die Sektkelche. Arena der Scheinbarkeiten, Brot & Spiele: Schwitzende Kellner wuchten überladene Tabletts, Wein- und Wasserkästen von Stufe zu Stufe. Kantinenschmaus à la Schubeck, Leberkäs vom heissen Stein, von Vor- zu Hauptspeise sorgen vereinzelte Dosenbohnen für Wiedererkennungseffekte. 30 Vegetarier werfen skeptische Blicke auf Frittiertes, fragend, ob tatsächlich der Bratling das Gegenteil vom Fleische sei. Alkohol. Dann zieht das Volk auf den billigen Plätzen ein, zu Hause schmeckt es doch am besten, die Lichter gehen aus. Ellebogen rutschen versehentlich in unabgeräumte Dessert-Teller, das Geschehen auf der Bühne beginnt, Musik, überraschende Töne, seltsam, anmutig und schräg. Schräg wie die Gestalten der Musiker, einer singt, ein Mann. Singt wie eine Frau; Kastrat. Die Stimme bricht, sie kracht, sie säuselt und schreit. Eine Schlangenfrau windet sich am Boden, verrenkt ihre Glieder, spaziert auf den Händen unter den eigenen Beinen hindurch, blickt mandeläugig mutiert auffordernd ins staunende Publikum. Das Unbehagen kriecht mit der Heissluft unter die Tische. |
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... Nach der Pinkelpause |
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... Zugabe |
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